Konservierung durch Trocknung, Salzen oder Einfrieren

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Wenn eine frisch abgezogene Tierhaut nicht gleich in der Gerberei weiterverarbeitet werden kann, muss sie gelagert und konserviert werden, um den Eintritt des Verwesungsprozesses zu verhindern. Dieses muss schnell geschehen, weil selbst unter unverdächtigen Bedingungen ein unkontrollierbares Bakterienwachstum schon nach ca. 2 Stunden im Anschluss an die Schlachtung erfolgen kann. Bei warmen Bedingungen ist noch mehr Eile geboten. Der bakterielle Befall führt zu Zerstörung der Haut (Fäulnis) und damit zur Unverwertbarkeit von Pelz oder Leder. Optimal ist eine Zwischenlagerung bei 4 – 7°C. Auch das Aufhängen, um das Blut abtropfen zu lassen, ist wichtig.

Übliche Methoden der Konservierung bis zur Gerbung sind das Einfrieren, Salzen und das Trocknen.


Einfrieren - Kühlen

Das Einfrieren gilt als unkomplizierteste Methode. Die frischen Häute werden in Plastik verpackt und in den Kühlräumen zwischengelagert. Außer der notwendigen Energiekosten der Kühlung hat diese Methode nur Vorteile. Der Zersetzungsvorgang wird sofort gestoppt, die Haltbarkeit der eingelagerten Rohware ist unbegrenzt und bei Bedarf können die Häute sofort - wie gerade abgezogen - verarbeitet werden.


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Gekühlte Rohhaut.

 

Einsalzen

Die Salzkonservierung bewirkt in erster Linie wieder eine Entwässerung der Haut. Diese Möglichkeit der Entwässerung der Haut durch Kochsalz beruht auf dem Bestreben aller leicht löslichen festen Salze, sich in Gegenwart von Wasser aufzulösen bzw. aller gesättigten oder konzentrierten Salzlösungen, sich in Gegenwart von Wasser zu verdünnen. Eine eigentlich bakterientötende Wirkung ist beim Kochsalz noch gering.

Das für die Salzkonservierung verwendete Salz (Steinsalz oder Siedesalz, chemisch: Natriumchlorid), und das gilt für alle Salzkonservierungsmethoden, soll immer frisch sein, denn ein Salz, das schon einmal zur Konservierung verwendet worden war, enthält zu viele Mikroorganismen und ergibt daher dann bei Wiederverwendung keine Gewähr für eine gute Konservierung. Das Konservierungssalz soll keine Verunreinigungen durch Eisenverbindungen haben. Ebenso dürfen nur ganz geringfügige Mengen von Kalzium- bzw. Magnesiumverbindungen als Verunreinigungen vorliegen.

Die Einsalzmethode ist kühlungsfrei, muss aber sehr gewissenhaft durchgeführt werden, um stellenweise Fäulnis auf der Haut zu vermeiden. Es muss ausreichend viel Salz auf die Haut aufgebracht werden, dass diese vollständig damit gesättigt wird und die Bakterienvermehrung in der Haut gestoppt wird. Daher muss die Rohware bei Großviehhäuten mit 40 - 50 % Salz bezogen auf das Hautgewicht gesalzen werden. Das ist mehr als ein Zentimeter Salzschicht auf der Fleischseite der Haut. Daher benötigt eine Haut mit 40 - 50 kg ca. 20 - 25 kg Salz.

Die Salzkonservierung kann durch Einstreuen der Haut mit festem Salz, der sogenannten Trockensalzstreukonservierung erfolgen, oder durch Behandeln der Haut mit Salzlösungen, der sogenannten Nasssalzung.


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Gesalzene Rohhaut im Lager und Rotwild-Fell im Eimer mit Salz vor der Hirngerbung.

 


Der Vorgang der Trockensalzstreukonservierung: Dazu wird die zu konservierende Haut mit der Fleischseite nach oben auf eine schräge Unterlage gelegt, damit die sich durch den Wasserentzug bildende Salzlake leicht abfließen kann, und mit Salz so eingestreut, dass die Fleischseite vollständig bedeckt ist. Bei Kalbfellen und Kleintierfellen (Ziegen- und Schaffelle) wird eine Menge von 45 - 50 % Salz auf das Hautgewicht bezogen. Die höhere Menge an Salz bei Kalbfellen und Kleintierfellen wird deswegen angewendet, da dieses Hautmaterial wasserreicher ist.


Der Vorgang der Nasssalzung: Bei diesem Verfahren werden die sorgfältig auf Narben- und Fleischseite gereinigten Häute in Gruben, Haspeln oder im Fass mit gesättigter Kochsalzlösung mindestens 24 Stunden behandelt. Danach nimmt man sie heraus, lässt sie abtropfen, salzt mit frischem Salz nach und bündelt sie. Die Nasssalzung findet bis heute nur außerhalb Europas Anwendung.

Eingesalzene Häute können mehrere Monate lang gehalten werden und sind resistent gegen Temperaturschwankungen. Sie müssen jedoch nach dem Trocknen auf bestimmte Weise gelagert werden. Hautstellen dürfen sich beispielsweise nicht berühren oder aufeinander aufliegen. Außerdem sind gesalzene Häute eine beliebte Speise für Schadnager wie wilde Mäuse und Ratten. Zu vermeiden ist schließlich noch, die Häute in zu feuchter Luft zu lagern - sie werden dann schnell Brutstätte von Insekten, die darauf ihre Eier ablegen.

Der Prozess des Einsalzens wird per Hand, aber auch maschinell durchgeführt.


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gesalzene Rohhaut in der Gerberei.

 

Aus steuerlichen Gründen muss das Salz vergällt, d. h. für den menschlichen Gebrauch ungenießbar gemacht worden sein. Als Vergällungsmittel für Hautkonservierungssalz kommen nur solche Stoffe in Betracht, die an der Haut keinerlei Veränderungen verursachen, die nachteilig für die Verarbeitung des Hautmaterials zu Leder wirken können. So wird heute als Vergällungsmittel Soda (chemisch: Natriumcarbonat) in einer Menge von 2 - 3 % auf Salzgewicht zugesetzt. Als Vergällungsmittel ist in der Bundesrepublik Deutschland auch ein Zusatz von 0,25 % Naphtalin, bezogen auf Salzgewicht, für sich allein zugelassen.

Für die Kalbfellkonservierung, aber auch für die Konservierung von Großviehhäuten, empfiehlt es sich, 1 % Naphtalin, bezogen auf Salzgewicht, neben Soda noch dem Salz zuzusetzen. Petroleum, früher hauptsächlich empfohlen, ist als Vergällungsmittel nicht geeignet, da es auf der Haut und später auf dem Leder Flecken geben kann; es wird aber mancherorts noch als Vergällungsmittel zusätzlich zu Soda eingesetzt. Das Konservierungssalz soll eine bestimmte Korngröße haben: Zu grobkörniges Konservierungssalz, wie es oft an USA-Häuten zu bemerken ist, gibt vor allem während des Lagerns der Häute auf Stapeln in den ersten drei Wochen Eindrücke in die Narbenseite der Haut, die bis zum fertigen Leder nicht mehr zu beseitigen sind und der Narbenoberfläche am fertigen Leder ein fehlerhaftes Aussehen geben.


Die Empfehlung, wenn man Rohhaut im geringen Umfang selber mit Trockensalz konservieren möchte

  • Möglichst schnell arbeiten, bevor die Rohhaut anfängt zu verwesen.
  • Die Rohhaut mit dem Fell nach unten auf ein ausreichend großes, leicht geneigtes Brett ledern. Die Neigung hilft, dass Wasser ablaufen kann.
  • Die Fleischseite mit einer dicken Schicht (ca. 1/2 Zentimeter) feinem Salz abdecken.
  • Durch das Salz wässert die Haut aus. Ca. 2 Tage auswässern lassen.
  • Danach zusammenrollen und kühl lagern. So kann die Haut mehrere Monate bis zur Gerbung konserviert werden.



Trocknen

Das einfachste und älteste Konservierungsverfahren ist das Trocknen. Dabei wird die Haut so in der freien, trockenen Luft aufgespannt, dass diese das Werkstück von allen Seiten umströmen kann. Dabei wird den Fellen die für die Entwicklung von Mikroorganismen erforderliche Feuchtigkeit entzogen. Die Felle sollten rasch, aber auf keinen Fall bei zu hohen Temperaturen (nicht über 30° C) und auf keinen Fall in praller Sonne oder direkt neben einem Heizkörper auftrocknen, da dies zu irreversibler Schädigung (Verleimung) des Hautkollagens führt! Getrocknete Leder sind hart.

Die Haut darf während des Trocknens nicht wieder der Feuchtigkeit ausgesetzt werden (etwa durch plötzlichen Regen). Ansonsten wird der Zersetzungsprozess eingeleitet, die Haut beginnt zu faulen, und Insekten werden angelockt.


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Getrocknetes Rochenleder.

 

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