Semianilinleder

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Semianilinleder

Semianilinleder sind Leder, welche nur eine leichte Pigmentierung (Farbschicht) erhalten. Beim Semianilinleder darf das natürliche Narbenbild und die Haarporen durch die Pigmentierung nicht verdeckt, sondern nur leicht geschützt sein. Dabei ist aber zu beachten, dass je nach Arbeitsschritten in der Gerberei das Narbenbild mehr oder weniger gut zu erkennen ist. Zum Beispiel beeinträchtigt das Vakuumieren die Sichtbarkeit der Haarporen im Vergleich zur Hängetrocknung. Trotzdem ist es dann ein Semianilinleder. Die natürliche Narbung muss aber vollständig erhalten sein und darf nicht angeschliffen sein. Semianilinleder sind i. d. R. auch weich und warm und fühlen sich durch die weniger starkte Beschichtung und das Ausbleiben einer Kompression der Lederfasern durch eine starke Prägung sehr natürlich an. Eine Prägung ist bei Semianilinleder aber nicht verboten.

Geregelt ist die Kennzeichnungspflicht für Semianilinleder in der DIN EN 15987 (Terminologie – Hauptdefinitionen für den Lederhandel - Juli 2015). Demnach ist ein Semianilinleder ein Glattleder mit einer pigmenthaltigen Zurichtung auf der Oberfläche, die so sparsam aufgetragen ist, dass der natürliche Narben (Haarporen) noch deutlich sichtbar ist.

Im Gegensatz zum Anilinleder, das ganz offenporig und sehr empfindlich ist, haben diese Leder einen besseren Schutz. Der Schutz ist aber längst nicht so stark wie bei pigmentierten Glattledern, wo die Pigmentschicht für einen starken Schutz sorgt und die Haarporen nicht mehr erkennbar sind. Solche Leder sind dann meist fester und fühlen sich kälter an als Semianilinleder.

Seit Januar 2016 gibt es eine weitere Lederart, die zwischen den Anilinledern und dem Semianilinledern angesiedelt ist. Es ist das Anilinleder veredelt. Es hat eine noch geringere Pigmentzurichtung als das Semianilinleder. Das Porenbild ist dann noch besser sichtbar und das Leder ist noch natürlicher als das Semianilinleder. Aber auch die Empfindlichkeit liegt zwischen dem Anilinleder und dem Semianilinleder.


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Bei Semianilinledern ist die Zurichtung deutlich dünner als bei pigmentierten Glattledern.

 

Der Gerber möchte durch die leichte Pigmentierung ein Leder mit einem warmen, weichen Griff erhalten, das zumindest einen leichten Schutz aufweist. Anilinleder haben wegen ihrer Offenporigkeit den schönsten Griff. Solche Leder fühlen sich am weichsten an. Ein ideales Leder wäre daher offenporig, aber unempfindlich wie ein pigmentiertes Glattleder. Das ist aber technisch nicht möglich. Selbst die beste Imprägnierung bietet langfristig nur bedingt ausreichend Schutz. Daher steuert der Gerber über die Pigmentschicht die Empfindlichkeit gegen Ausbleichen, Verschleiß und die Fleckenempfindlichkeit.


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Semianilinleder sind unempfindlicher als Anilinleder, aber bleichen schneller aus und sind empfindlicher gegen Fettstellen und Abrieb als pigmentierte Glattleder


Semianilinleder tauchen zumeist bei Möbeln, Jacken und Taschen auf. Im Möbelbereich wird auch vom "Nappaleder leicht pigmentiert" gesprochen. Bei Haushalten ohne Kinder und Haustieren sind Möbel mit Semianilinleder sicherlich eine denkbare Variante. Die typischen Veränderungen treten erst nach Jahren auf und können bei regelmäßiger Pflege oder bei rechtzeitiger Hilfenahme eines Fachbetriebes auch rausgezögert oder repariert werden. Da Fahrzeugleder besonders stark strapaziert werden, sind sie zumeist stark pigmentiert.

Da Semianilinleder qualitativ über pigmentierten Ledern stehen, werden im Möbelbereich Leder häufig als "Semianilinleder" bezeichnet, obwohl sie eher ein pigmentiertes Leder sind. Damit soll eine bessere Qualität suggeriert werden. Leider gibt es keine leicht überprüfbaren Grenzwerte, so dass die Bezeichnung immer kritisch begutachtet werden sollte. Ist ein Leder einfarbig und fühlt sich eher kalt oder beschichtet an, ist der Begriff "Semianilinleder" evtl. nur eine substanzlose Aufwertung und nicht die richtige Beschreibung dieser Lederart.


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Typische Semianilinleder-Oberfläche. - -Semianilinleder-Möbel.

 

Semianilinleder sind empfindlicher als pigmentierte Leder und daher selten in Fahrzeugen anzutreffen, wo die Leder meist pflegeleicht gewünscht werden, aber dafür auch selten weich und warm sind.


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Wiesmann-Roadster und Ferrari FF.

 

Der VW-Touareg in der Individualausstattung ist ein Mix aus pigmentiertem und Semianilinleder.


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Nach 70 Tsd. auf dem Tacho noch sehr schöner Zustand, weil gut gepflegt.

 

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Semianilinleder sind sensibel: Bei falscher Pflege und Reinigung wird die Empfindlichkeit sichtbar.

 

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Gegenüberstellung der Lederqualitäten und der Empfindlichkeit bzw. Pflegeleichtigkeit.

Rauleder - Anilinleder - Anilin veredelt - Semianilinleder - Pigmentiertes Glattleder - korrigierte Leder - beschichtetes Spaltleder

 

Unterscheidungsmerkmale der Porensichtbarkeit

 

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Reines Anilinleder - Haarporen sind gut erkennbar und keine Farbschicht auf dem Leder.

 

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Semianilinleder - Haarporen sind gut erkennbar, aber eine dünne Farbschicht auf dem Leder.

 

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Haarporen sind kaum erkennbar, ein stärkere Farbschicht ist auf dem Leder. Hier kann nur ein Fachmann prüfen, ob es noch als "Semianilinleder" bezeichnet werden darf.

 

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Pigmentiertes Glattleder - Haarporen sind nicht mehr erkennbar, ein dicke Farbschicht ist auf dem Lede.

 


Falschdeklarationen bei Semianilinleder ohne Haarporen

Da Semianilinleder als hochwertiger gelten als pigmentierte Glattleder, werden Semianilinleder nicht immer richtig deklariert. Es kommt vor, das dem Endkunden Semianilinleder angeboten werden, die aber eigentlich gar keine sind. Für Laien sind die verschiedenen Lederarten nicht unterscheidbar. Für Semianilinleder sind die Natürlichkeit und Weichheit kennzeichnend. Dazu gehört die Erkennbarkeit der Narbung und der Haarporen. Im Zweifel mit einer Digitalkamera mit Makrofunktion bei gutem Licht eine Aufnahme machen. Gezoomt kann man dann schon oft erkennen, ob Haarporen sichtbar sind.


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Als Semianilinleder angebotene Leder, die aber eindeutig keine sind.

 


Falschdeklarationen bei Semianilinleder mit geprägten Haarporen

Da Poren auch geprägt werden können, ist die Erkennbarkeit der Poren alleine nicht ausschlaggebend. Nicht jedes oberflächengefärbte Leder, welches Haarporen erkennen lässt, ist auch automatisch ein Semianilinleder. Daher ist noch die Natürlichkeit und Weichheit des Leders ein Indiz. Im Zweifel muss aber ein Experte gefragt werden. Ein kaltes und plastikartiges Leder sollte man auf jeden Fall genauer anschauen.


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Geschliffen, pigmentiert und geprägt. Das ist kein Semianilinleder. Die Haarporen sind geprägt.

 

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Geschliffen, pigmentiert und geprägt. Die Haarporen sind sehr plump geprägt. Auf keinen Fall ein Semianilinleder.

 

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Beschichtetes und mit Haarporen geprägtes Spaltleder mit einer Textilkaschierung. Ganz sicher kein Semianilinleder.

 

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Auch kein Semianilin-Leder: Folienbeschichtete Spaltleder sind mit einer Folie beschichtet. Das Porenbild ist in der Folie.

 

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Auch kein Semianilinleder: Eine Folie mit Porenbild auf einem wenig stabilem Faserverbund.

 

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Video über Lederarten

Film über Lederarten.


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