Ökologische Lederpflege

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Im Zusammenhang mit "Lederpflege" taucht gelegentlich die Frage auf, ob es auch eine "ökologische Lederpflege" oder "Bio-Lederpflege" gibt. Die Anfrage kommt dann von Anbietern, die Produkte aus "Bio-Leder" oder "Öko-Leder" im Programm haben und ein thematisch adäquates Pflegemittelsortiment wünschen.

Was sind "ökologische" Produkte oder "Bio-Produkte"? Meist fallen diese Begriffe im Zusammenhang mit Lebensmitteln. "Keine Pestizide", "Fair Trade", "schadstofffrei", "biologisch abbaubar", "gentechnisch verändertes Material" sind häufige Begriffe in diesem Kontext. Aber auch im Non-Food-Bereich wird von Bioprodukten gesprochen. Kosmetika oder Textilien werden oft mit diesen Attributen angeboten.

Was ist "Bio-Leder" oder "Öko-Leder"? Es wird in diesem Zusammenhang immer von Leder gesprochen, das rein pflanzlich bzw. vegetabil gegerbt ist. Die häufigste Gerbart weltweit ist zu 85% die Chromgerbung. Das meiste auf der Welt hergestellte Leder wird zu Schuhen verarbeitet. Hier liegt der Anteil der Chromgerbung bei ca. 95%. Bei Bekleidungsleder ist der Anteil nahezu 100%, bei Möbelleder ca. 70% und bei Autoleder ca. 50%. Das bedeutet aber nicht, dass 50% der Autoleder oder 30% der Möbelleder pflanzlich gegerbt werden. Meist ist die synthetische Gerbung die Alternative. Der tatsächliche nationale oder internationale Marktanteil der pflanzlichen Gerbung ist nicht bekannt, wird aber im Vergleich verschwindend gering sein.


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Synthetischer Gerbstoff, Chrom III, Quebracho (pflanzlich).

 

Ist ein "Bio-Leder" oder "Öko-Leder" ein besseres Leder? Wie im Nahrungsmittelbereich muss die Frage gestellt werden, ob Leder mit diesen Labeln dann evtl. teurer, aber ressourcenschonender, gesünder oder "ungiftiger" sind als anders gegerbte Leder. Häufig werden rein pflanzlich gegerbte Leder als "rein pflanzlich gegerbt, schadstofffrei" angeboten, was ja im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass anders gegerbte Leder Schadstoffe enthalten könnten.


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Aus der Werbung für ein rein pflanzlich gegerbte Leder.

 

Intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt hat sich die Broschüre "Ökologische Aspekte wichtiger Gerbverfahren" der Forschungsgemeinschaft Leder (erhältlich über www.vdl-web.de). Laut dieser Untersuchung sind die verschiedenen Gerbarten im ökologischen Vergleich nicht in "gut" oder "schlecht" zu unterscheiden. Die Chromgerbung ist zwar "chemisch", aber die Pflanzengerbung verbraucht mehr Abwasser, Energie und Gerbstoffe. Die Verfechter der Öko-Leder berufen sich auf Chrom-VI–Gefahren und "Chemie". Diese Ängste sind aber nicht begründet. Immer wiederkehrende Untersuchungen haben gezeigt, dass von gewissenhaft arbeitenden Gerbereien - mit egal welcher Gerbart - keine Gefahren für die Konsumenten ausgehen. Fast jeder Mensch auf der Welt befindet sich fast täglich über seine Schuhe, seinen Gürtel, die Geldbörse, Bekleidung, Autos oder Möbel im direkten Kontakt mit Leder. Würde vom Material eine spürbare gesundheitliche Beeinträchtigung ausgehen, wäre das sicherlich erkannt worden. Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass Abwasser nicht ordentlich geklärt werden oder im Prozess gepfuscht wird, aber davor ist auch die Pflanzengerbung nicht gefeit.

Ein konsequent ökologisches Bio-Leder müsste schon vom Moment der Tierhaltung (Haltung, Ernährung etc.) an bis zur Verpackung betrachtet werden. So wäre es notwendig, die in der Kette verwendeten Chemikalien komplett, vom Gerbstoff bis zum Wasser, auf Öko- oder Bio-Verträglichkeit zu prüfen und zu dokumentieren. Eine ambitionierte Aufgabe. In der Realität wird meist alleine der Begriff "rein pflanzlich gegerbt" als Nachweis für ein Bioleder oder Ökoleder verwendet.

Was könnte eine "ökologische Lederpflege" oder "Bio-Lederpflege" sein? Zur Lederpflege gehören Lederreiniger und Lederpflege. Vor einer "Pflege" muss bei Verschmutzungen immer erst eine Reinigung erfolgen. Aufgabe des Reinigers ist es, das Leder zu säubern, ohne dem Leder oder dem Anwender Schaden zuzufügen. Aufgabe der Lederpflege ist es, den Zustand des Leders möglichst lange zu konservieren oder eine nicht vorhandene Eigenschaft zu verbessern. Bei Schuhen soll das Leder z. B. besser als schon durch den Hersteller imprägniert werden, oder ein ausbleichempfindliches Leder soll einen erhöhten UV-Schutz erhalten.

Moderne Lederreiniger werden, zumindest wenn diese auch an Großkunden der Auto- oder Möbelindustrie im Eigenlabel verkauft werden, auf Herz und Nieren in ihrer Konformität mit den gesetzlichen Regulierungen weltweit für solche Produkte geprüft und auch auf die Verträglichkeit mit den für den Reiniger angegebenen Lederarten getestet. Für Öko-Lederreiniger wurden bisher weder Standards entwickelt, noch sind Lederreiniger oder andere Reiniger bekannt, die als Öko- oder Bio-Lederreiniger bezeichnet werden könnten. Betrachtet man die Inhaltsstoffe der heutigen, handelsüblichen Lederreiniger, so sind diese nicht mehr oder weniger gefährlich als alle handelsüblichen Haushaltsreiniger, Shampoos oder Seifen, und eine Umstellung auf Öko oder Bio wäre eine Neuerfindung des Produkts.

Lederpflegemittel bestehen traditionell aus Ölen und Wachsen, die pflanzlich, tierisch oder synthetisch sein können. Eine Pflegemilch ist eine Emulsion aus Ölen und Wasser. Moderne Leder im Massenmarkt sind meist oberflächengefärbte Glattleder. Die Hauptprobleme dieser Oberflächen sind Verschleiß und Anschmutzungen. Im Alter kommen Austrocknung und Versprödung dazu. Bei Schuhen sind die Anforderungen an eine Lederpflege i. d. R. eine Imprägnierung, Glanz und eine Farbkorrektur bei Verschleißspuren. Bei Auto- und Möbelledern sind die Bedürfnisse vielfältiger. Verschleißprävention, UV-Schutz und Anschmutzungsschutz sind wichtiger als eine Imprägnierung, da offenporige Leder rarer geworden sind. Glanz ist gar nicht erwünscht, da moderne Lederoberflächen in diesem Segment eher matt sind. Aus diesen Gründen haben sich Lederpflegemittel für neue Möbel- und Fahrzeugleder verändert. Die Verschleißreduktion, die Anschmutzungsprävention und der UV-Schutz der gefärbten Oberfläche haben an Bedeutung gewonnen. Ein Schutz der Farbschicht, um die Oberfläche möglichst lange unverändert zu erhalten, steht vor der klassischen "Rückfettung" und "Imprägnierung", die im Schuhbereich noch wichtig ist und ihre Ursprünge im Schutz von Sattelzeug, Schuhwerk und Lederbekleidung gegen die Witterung hatte.

Betrachtet man Lederpflegemittel, die von Bio-Händlern angeboten werden, so enthalten diese zumeist pflanzliche oder tierische Inhaltsstoffe. Lanolin (Wollfett), Bienenwachs, Orangenterpene, Rapsöl, Jojobaöl, Carnaubawachs etc. werden verwendet, um dem Label "Bio" gerecht zu werden.

Zum Teil wird sogar damit geworben, dass diese Stoffe zumindest teilweise aus kontrolliert-biologischem Anbau kommen.

Bei Schuhen, wo Glanz und Imprägnierung eine Rolle spielen, sind solche Inhaltsstoffe durchaus Alternativen. Bei modernen Pigmentierungen im Auto- oder Möbelbereich, wo die Pflegemittel eine Bindemittelfarbschicht zu konservieren und zu schützen haben, stößt man an Grenzen. Für die Additive in der Pflege, die den Verschleiß, die Anschmutzung oder den UV-Schutz leisten, gibt es zurzeit noch keine Alternativen, die dem Anspruch "Bio" oder "Öko" gerecht werden. Es ist schon ohne diese Vorgabe schwierig genug, allen Parametern ausreichend gerecht zu werden. Moderne Pflegemittelrezepturen sind komplizierte und austarierte Abmischungen, die durch langwierige Tests und Versuche entstehen. Die Inhaltsstoffe, Geruchsstoffe und Konservierungsstoffe sollen weltweit unter verschiedensten Gesetzeslagen verkäuflich sein, dürfen dem Leder oder dem Anwender nicht schaden, sollen den Glanzgrad erhalten, Verschleiß reduzieren, die schädliche Wirkung der Sonne mindern und das Leder geschmeidig halten.

Ein Pflegemittelhersteller muss sich dann fragen, ob er neben den diversen schon zu beachtenden Gesichtspunkten noch Bio bzw. Öko mit unter einen Hut bekommt. Keine einfache Aufgabe. Es ist ja auch nicht so, dass die bisherigen Lederpflegemittel die Umwelt schädigen oder ungesund seien. Kein seriöser Lederpflegemittelhersteller nimmt das in Kauf. Aber er müsste, um auch den Kriterien für "Bio" oder "Öko" zu erfüllen, nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen beachten, sondern höhere Mindestanforderungen an seine Inhaltsstoffe stellen, ohne die Funktion aus den Augen zu verlieren. "Nur" die Verwendung von pflanzlichen Fetten ist aber eine Täuschung des Konsumenten, weil damit entweder die Schutzmöglichkeiten moderner Lederpflegemittel nicht ausreichend ausgeschöpft werden oder nur ein Teil der Inhaltsstoffe das Öko-Prädikat verdient.

Es muss bei dieser Betrachtung auch immer mit berücksichtigt werden, dass eine vielleicht nicht dem Öko-Standard entsprechende Lederpflege, die aber das Leben eines Lederobjektes nachweisbar verlängert, evtl. ökologischer ist. Muss ein aus Leder hergestelltes Produkt erneuert werden, weil es mit einem in der Konservierungswirkung schlechterem Produkt gepflegt wurde, dann könnte die Neuproduktion des Lederobjektes in der Betrachtung der Ökobilanz deutlich stärker zu Buche schlagen als die alternative Verwendung eines in der Wirkung optimierten Pflegeproduktes, welches aber nicht "Bio" oder "Öko" ist. Bei Kraftfahrzeugen ergibt sich 60 - 70% des Ressourceneinsatzes aus der Herstellung und nur 30 - 40% aus dem laufenden Betrieb inkl. Abgase. Bei Lederobjekten wird der Anteil des Herstellungs-Ressourceneinsatzes noch viel höher sein. Daher sollte die Langlebigkeit auch aus ökologischen Gründen und nicht nur ökonomischen Gründen im Vordergrund stehen.

Im Internet und in Magazinen tauchen immer einmal wieder Lederpflegetipps auf, die auf pflanzlichen oder tierischen Stoffen basieren. Diese sind aber eher einem Wunsch nach "Sparsamkeit" geschuldet, als einem Label "Bio" oder "Öko" gerecht zu werden.


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Hausmittel als Bio-Lederpflegemittel sind nicht empfehlenswert.

 


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