Rauleder (Rauhleder), Wildleder, Veloursleder (Velourleder), Nubuk oder Nubukleder

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Rauleder

Rauleder ist der Oberbegriff für alle velourigen Oberflächen im Lederbereich. Es sind in der Oberfläche geschliffene Leder mit einer mehr oder weniger samtigen Oberfläche. Die Vorteile sind ein angenehm warmer Griff und eine schöne Struktur.

Narbenseitig leicht angeschliffenes Glattleder wird als Nubuk bezeichnet, Rauleder aus dem Fleischspalt nennt sich Veloursleder. Auch die nach außen verarbeitete, unbeschichtete Rückseite eines Glattleders, Lammfells oder Kuhfells wird als Veloursleder bezeichnet. Bei Nubukledern ist der Flor sehr fein, bei Velourleder sind die Fasern deutlich gröber.

"Rauleder" wurde bis vor der Rechtschreibreform mit "h" geschrieben, also "Rauhleder". Daher taucht diese Schreibweise noch häufig auf.


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Nubukleder hat einen feineren Flor.

 

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Veloursleder hat einen gröberen Flor.

 

Nubukleder wird durch narbenseitiges Anschleifen hergestellt.
 
Nubukleder wird durch narbenseitiges Anschleifen hergestellt.


Wildleder

Wildleder ist die Sammelbezeichnung für Leder von Tieren, die in der freien Wildbahn leben, z. B. Hirsche, Rentiere, Kängurus, Antilopen, Gazellen, Elche, Büffel, Gämse (vor der Rechtschreibreform Gemse, eine Ziegenart) usw. Heutzutage sind diese Tiere aber meist nicht mehr freilebend, sondern werden in Gehegen gehalten. "Wildleder" sind nicht so häufig, weil diese im Vergleich zu Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen nicht in entsprechenden Stückzahlen geschlachtet werden. Dazu ist die verwertbare Menge nicht so hoch wie bei Zuchttieren, da auf der freien Wildbahn lebende Tiere stärker von Hautkrankheiten, Insektenstichen oder Verletzungen betroffen sind.

Neben der Tierart steht der Begriff "Wildleder" aber auch für eine aufgeraute Oberfläche. Weder das glatte Känguruleder einer Motorradkombi noch das Büffelleder einer Möbelgarnitur werden als "Wildleder" bezeichnet.

Im Volksmund wird "Wildleder" aber für jede Art von Rauledern verwendet, unabhängig davon, ob es tatsächlich von einem wildlebenden Tier stammt oder von einem Rind, Schaf, Schwein oder Lamm. Dabei wird mit Wildleder hauptsächlich das Rauleder von Schuhen, Taschen und von Bekleidung benannt. Bei Polsterledern wird i. d. R. Veloursleder und Nubuk vorgezogen.

Wer es genau wissen will, muss daher immer genau nachfragen, was im Einzelfall mit "Wildleder" gemeint ist.
 

Filme über Leder von verschiedenen Tierarten


  • Wildhäute sind Häute von Tieren, die ihren Lebensraum nicht im Stall, sondern freilebend in der Wildnis haben.
  • Als Zahmhaut bezeichnet man die Haut von Tieren aus der Stallhaltung.


Nubukleder

Nubukleder sind auf der glatten Narbenseite angeschliffene Leder. Durch den Schliff erhält das Leder eine samtartige Oberfläche. Das bedeutet, dass die glatte Oberfläche eines Leders mit einem Schleifmittel so stark aufgeraut wird, dass diese die charakteristische samtige Oberfläche erhält. Das Leder wird dadurch sehr weich im Griff, und die Atmungsaktivität erhöht sich.

Der Nachteil dieser Oberfläche ist eine deutlich erhöhte Empfindlichkeit gegen Anfleckungen und Verspeckungen. Auch die UV-Beständigkeit ist deutlich reduziert. Solche Leder bleichen daher leichter aus. Manchmal färben Rauleder auch ab. Das kann am Schleifstaub liegen, oder an überschüssigen Farbstoffen.


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Nubuk hat einen sehr feinen Flor, erkennbar an der Strichrichtung beim Darüberstreichen.

 

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Neu sind Nubukleder gut imprägniert. Bei älteren Ledern lässt die Imprägnierung aber nach, und der Tropfen dringt ein.

 

Als Nubukleder werden hauptsächlich Rinds- und Kalbsleder verwendet. Aber auch Ziegen-, Lamm- oder Hirschleder werden zu Nubuk verarbeitet. Nubukleder werden bei Polstermöbeln, Handtaschen, Bekleidung und Schuhen verwendet. Nur selten bei Autoledern wie beim Z1 von BMW oder dem Maybach von Mercedes.


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Nubuk-Leder bei Möbeln

 

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Nur leicht angeschliffenes Leder (leicht nubukiert) - Leder von www.leder-fiedler.de, Möbel von www.marquardt-produktion.de

 

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Nubuk-Leder beim BMW Z1 im Rücken und Seitenflanken - Nubuk Dachhimmel im BMW E28 M5 von 1986

 

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Nubuk-Leder-Handschuhfach beim Mercedes Maybach - Nubuk auf einem Fahrradsattel.

 

Der Begriff "Nubukleder" oder auch "Nubuckleder" stammt vermutlich aus dem Englischen. "Buckskin" bezeichnet dort ein Wildleder. Durch das Anschleifen des Rindsleders zum Rauleder bekommt es eine vergleichbare Optik, so dass es als "new buck" und schließlich verkürzt "nubuck" betitelt wurde.


Weitere Begriffe

  • Mochetto-Leder: Mochetto-Leder sind auf der Narbenseite geschliffene tuchartig zugerichtete Lammleder und Zickelleder oder Kalbsleder. Dieses Nubukleder ist besonders weich und wird für Handschuhe verwendet.


Reinigungs- und Pflegehinweise für diese Lederart


Geprägtes Nubukleder

Geprägtes Nubukleder ist ein Nubukleder, auf welches mit einer Walze eine farbige Prägung aufgebracht wurde. Im Bereich des Farbauftrags (der dunklen Bereiche) ist das Leder dann wie ein pigmentiertes Glattleder und dazwischen (helle Bereiche) ein normales Nubukleder. Die Prägung ist immer dunkler als das Nubukleder.

Im Möbelbereich war in den 80er und 90er Jahren geprägtes Nubukleder weit verbreitet. Inzwischen findet man diese Lederart bei Möbeln aber kaum noch. Gelegentlich sieht man geprägtes Nubuk im Bekleidungs- und Schuhbereich. Im Fahrzeugbereich ist diese Lederart unbekannt.


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Es gibt die unterschiedlichsten Muster für diese Prägungen. Am typischsten ist aber die Narbenoptik eines Glattleders.

 

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Hier wurde nur die Narbung der Glattlederhaut ins Nubuk geprägt.

 


Eine neue Variante der Prägung und Nubukierung ist die "Nubukierte Tiefenprägung" (Stand 06/2012). Da bei erhlält ein pigmentiertes Glattleder eine Tiefenprägung. Es werden "Mulden in das Leder geprägt. Anschließend werden die hochstehenden Kanten abgeschliffen. Der Hersteller verweist aber darauf, dass das Leder unlaminiert für Sitz- und Verschleißflächen nicht geeignet ist. Die Kanten stoßen sich durch Gebrauch zu leicht ab.


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Optik der nubukierten Tiefenprägung

 


Reinigungs- und Pflegehinweise für diese Lederart


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Veloursleder

Als Veloursleder werden zwei Sorten von Leder bezeichnet, zum einen die nach unten weg gespaltene, beidseitig velourige Oberfläche einer Lederhaut (auch Fleischspalt genannt) und die nach oben verarbeitete, unbeschichtete Rückseite einer Lederhaut. Im Gegensatz zum sehr samtigen Nubuk ist das Veloursleder deutlich aufgerauter. Im englischen Sprachraum wird dieses Leder als "Suede" bezeichnet.


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Nahaufnahme Velourleder

 

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Velour-Leder bei Möbeln

 

Am häufigsten taucht Veloursleder im Haushalt bei Turnschuhen auf, aber auch bei Arbeitshandschuhen. In beiden Fällen spielen die Schutzfunktion und die starke Atmungsaktivität dieser Lederart eine Rolle. Veloursleder ist sehr offenporig, und Schweiß kann daher sehr gut hindurch wandern. Da Hände und Füße besonders schnell schwitzen, spielt dieser Vorteil eine große Rolle. Veloursleder ist aber auf diesen klein vernähten Flächen angebracht, um Füße oder Hände vor Verletzungen zu schützen.


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Turnschuhe haben häufig Flächen aus Velourleder. Beim Lammfell-Pantoffel wird das Velour der Rückseite außen verarbeitet.

 

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Bei Arbeitshandschuhen wird häufig Velourleder verwendet.

 

"Veloursleder" taucht in der Literatur mit der Schreibweise mit und ohne "s" auf. Traditionell verwenden die Ledertechniker und Gerbereien die Schreibweise ohne "s". Daher wird in der Leder- und Gerbereiliteratur "Veloursleder" stets "Velourleder" geschrieben. Korrekt laut Duden ist aber nur die Schreibweise mit dem "s".

Veloursleder wird auch als Hunting-Leder bezeichnet.


Beim Verkleben von Ledern bei Autoteilen werden die Velourfasern der Fleischseite oft vorher runter gebügelt und verklebt, damit Unregelmäßigkeiten nicht auf der Oberseite sichtbar werden. Die Rückseite wird dadurch gleichmäßiger.


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Rechts wurden die Velourfasern runter verklebt und gebügelt.

 

Weitere Informationen




Reinigungs- und Pflegehinweise


Videos

Die Reinigung von Raulederschuhen.


Kugelschreiberstriche auf Rauleder entfernen.


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